Seit 30 Jahren: Trend zu kälteren Wintern auf der Schmittenhöhe

05.11.2014

Der Klimawandel stellt die Skigebiete und den Wintertourismus vor große Herausforderungen. Weltweit steigende Durchschnittstemperaturen und Winter die nur noch in gewissen Höhenlagen stattfinden, würden bedeuten, dass die Bergbahnen ihr Kerngeschäft überdenken müssen. Wie sich der Klimawandel auf den Skitourismus auswirkt, darüber gibt es keine Gewissheit, nur Zukunftsbilder und Szenarien mit denen man sich beschäftigen kann. Auch die Schmittenhöhebahn beschäftigt sich mit diesen Zukunftsbildern, hat aber auch die Vergangenheit genauer unter die Lupe genommen und eine Studie zu den Temperatur- und Schneemessreihen auf der Schmittenhöhe in Auftrag gegeben. Die Studie zeigt, dass die Winter auf der Schmittenhöhe in den letzten 30 Jahren keine Erwärmung aufweisen. „Dieses Ergebnis hat uns sehr überrascht“, sagt Dr. Erich Egger, Vorstand der Schmittenhöhebahn AG. „Ebenfalls sind die Ergebnisse für uns sehr beruhigend. Selbst wenn man die Zukunft nicht vorhersagen kann, können wir heute davon ausgehen, dass die Winter, wie wir sie uns wünschen, weiterhin stattfinden werden. Wenn auch deren Verlauf für Überraschungen sorgen kann.“

Auf der Schmittenhöhe (1.973 m) bei Zell am See sind die Winter in den letzten 30 Jahren kälter geworden. Seit 1984/85 ist die mittlere Wintertemperatur im linearen Trend um 0,9 Grad Celsius gesunken. 2011/12 wurde mit minus 6,8 Grad Celsius der kälteste Winter seit 33 Jahren gemessen. Untersuchungen von Messreihen benachbarter Bergstationen bestätigen den Trend. Im langjährigen Schnitt kann man auf der Schmittenhöhe an 138 Tagen im Jahr Ski fahren.

„Im linearen Trend sind die mittleren Wintertemperaturen seit 1984/85 um fast ein Grad Celsius kälter geworden. Die Regressionsgerade ist von minus 3,8 auf minus 4,7 Grad Celsius gesunken“, berichtet der Kitzbüheler Skitourismus-Forscher Günther Aigner von der Plattform www.zukunft-skisport.at, der die Untersuchung durchgeführt hat. Der bekannte Salzburger Glaziologe Univ.-Prof. i.R. Dr. Heinz Slupetzky bestätigt die vorliegende Studie. Zustimmung kommt auch von Univ.-Prof. em. Dr. Michael Kuhn vom Institut für Meteorologie der Universität Innsbruck und vom Innsbrucker Gletscherforscher Univ.-Prof. i.R. Dr. Gernot Patzelt.

Neun der letzten 12 Winter waren kalt

Betrachtet man die beigefügte Abbildung 1, so fällt auf, dass seit 2002/03 auf der Schmittenhöhe neun der letzten 12 Winter unterdurchschnittlich temperiert waren. Nur in drei Wintern war die mittlere Temperatur höher als der 30-jährige Durchschnitt von minus 4,3 Grad Celsius. Der Winter 2011/12 war mit minus 6,8 Grad Celsius der kälteste Winter der letzten 33 Jahre auf der Schmittenhöhe und der zweitkälteste seit 1969/70.

Winterliche Abkühlung auch an weiteren Bergstationen

Die Ergebnisse der Studie decken sich mit den Temperaturkurven von weiteren Bergstationen im Ostalpenraum. So fällt am benachbarten Kitzbüheler Hahnenkamm (1.790 m) die mittlere Wintertemperatur seit Bestehen der Messreihe (1993/94) im linearen Trend um 1,7 Grad Celsius. Auch am Arlberger Skiberg Galzig (2.079 m), am Rauriser Sonnblick (3.106 m) und am Innsbrucker Patscherkofel (2.252 m) wurde ein winterlicher Temperaturabfall beobachtet. Messreihen aus Deutschland (Zugspitze, Feldberg u.a.) und der Schweiz (Jungfraujoch, Weissfluhjoch, Säntis u.a.) untermauern den Trend. Dies bestätigen der Klimaexperte Dipl.-Met. Gerhard Hofmann vom Deutschen Wetterdienst und der Klimatologe Dr. Stephan Bader von MeteoSchweiz.

Christian König, Wetter und Klimaberater aus Bayern, bestätigt die Studien von Günther Aigner. Laut König treffen die Aussagen zur Klimaerwärmung nicht auf alle Bereiche der Alpen zu. Auch wenn weltweit höhere Durchschnittstemperaturen festgestellt wurden, bedeutet das nicht automatisch weniger Schnee und Kälte in den Bergen.  

Das winterliche Temperatur-Niveau auf der Schmittenhöhe seit 1970/71

Stellt man sich die Frage, was bei einer Verlängerung des Betrachtungszeitraumes zurück bis Anfang der 1970er-Jahre im Hinblick auf den thermischen Charakter der Winter zu erkennen ist, so ist festzustellen, dass die mittleren Wintertemperaturen auf der Schmittenhöhe seit 1970/71 statistisch unverändert bei minus 4,4 Grad Celsius liegen. In den letzten 44 Jahren ist insgesamt kein Trend erkennbar (Abb. 2). Dies bedeutet, dass sich für einen heute 50-jährigen Skisportler, der seit seinem 6. Lebensjahr auf der Schmittenhöhe Ski fährt, hinsichtlich der Wintertemperaturen insgesamt keine langfristige Veränderung ergeben hat. Somit kann der Schluss gezogen werden, dass im Zeitraum von nahezu einem halben Jahrhundert keine Erwärmung in den Wintern im Gebiet der Schmittenhöhe (und darüber hinaus) zu erkennen ist.

138 Tage Skibetrieb auf der Schmittenhöhe und kein Ende des Wintersports in Sicht

Die sinkenden Temperaturen haben einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Skibetriebstage. „Die kalten Temperaturen ermöglichen eine effiziente Beschneiung und garantieren einen frühen Start in die Saison sowie winterliches Skivergnügen bis Mitte/Ende April“, bestätigt Ing. Hannes Mayer, technischer Leiter der Schmittenhöhebahn AG. Die Schmitten in der technischen Beschneiung zu den Pionieren im Salzburger Land. 1973 fanden am Zeller Hausberg die ersten Schneiversuche statt und heute können 100% des Skigebietes technisch beschneit werden. Nach einer vom Institut für Meteorologie durchgeführten Studie zur „Zukunftsfähigkeit der Beschneiung“ zählt die Schmitten zu den schneesicheren Skigebieten in Österreich. „Laut dieser Studie kann die Schneesicherheit mit der derzeitigen Beschneiungsanlage in den nächsten Jahrzehnten gewährleistet werden“, sagt Mayer.

Auf der Schmittenhöhe kann man im langjährigen Schnitt an 138 Tagen Ski fahren. Seit 1992/93 ist keine signifikante Veränderung bei der jährlichen Anzahl der Skitage feststellbar. Siehe dazu Abb. 3.

„Die Ergebnisse der Klimastudie sind für uns eine erfreuliche Bestätigung“, freut sich Dr. Erich Egger. Winter- bzw. Skiurlaube gehören zu den wertschöpfungsintensivsten Urlaubsarten. Hotellerie, Gastronomie und Handel profitieren im Winter von den Seilbahnen. Allein in der Region Zell am See-Kaprun kann man von über 100 Mio. Euro Gesamtumsatz ausgehen, der von den Bergbahnen ausgelöst wird. Schneesicherheit und Schneeverhältnisse spielen bei der Auswahl der Winterdestination, neben Größe und Pistenvielfalt, eine wesentliche Rolle (Manova, 2014[1]). Gerade deshalb hofft man, dass der Trend zu kälteren Wintern auf der Schmittenhöhe nicht abbricht.  

Für die vorliegende Studie wurden Messdaten der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) ausgewertet. Als Winter wird, wie in der Meteorologie üblich, die Zeitspanne von 01. Dezember bis 28. Februar betrachtet. Weitere detaillierte Informationen zu den einzelnen Messstationen können auf der Plattform www.zukunft-skisport.at eingesehen werden.

Die Studie wurde von zahlreichen Meteorologen, Klimaforschern, Glaziologen und Hydrographen aus dem Netzwerk von www.zukunft-skisport.at begutachtet. Unser Dank für wertvolle Diskussionen, Anregungen und Ergänzungen ergeht stellvertretend an:

::  Univ.-Prof. em. Dr. Michael Kuhn (Universität Innsbruck, Meteorologe)

::  Dr. Stephan Bader (Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz, Klimatologe)

::  Dipl.-Met. Gerhard Hofmann (Deutscher Wetterdienst, Leiter des Klimabüros München)

::  Univ.-Prof. i.R. Dr. Heinz Slupetzky (Universität Salzburg, Geograph und Glaziologe)

::  Univ.-Prof. i.R. Dr. Gernot Patzelt (Universität Innsbruck, Geograph und Gletscherforscher)

::  Univ.-Doz. i.R. Dr. Josef Goldberger (Universität Salzburg, Geograph und Glaziologe)

::  Dipl.-Forstw. Christian König (Münchner Medien-, Wetter- und Klimaberater)

 

[1] Manova, 2014: Klaus Grabler, Die Seilbahnbranche: Fakten und Trends im Überblick, Manova GmbH Wien.

Schnee ist die Voraussetzung für einen erfolgreichen Wintertourismus. Eine Studie vom Institut für Meteorologie bestätigt, dass die Schneesicherheit auf der Schmitten dank technischer Beschneiung in den nächsten Jahrzehnten gewährleistet werden kann. | @ Johannes Felsch Zur Beschneiungs-Infrastruktur der Schmittenhöhe zählen drei Speicherteiche, die eine effiziente Beschneiung während der gesamten Wintersaison ermöglichen. | @ schmitten.at Im Winter sind über 350 Schneeerzeuger im Skigebiet einsatzbereit. Damit können 100% der Pistenfläche technisch beschneit werden. | @ schmitten.at Dr. Erich Egger, Vorstand Schmittenhöhebahn AG | @ schmitten.at Ing. Hannes Mayer, Bereichsleiter Technik | @ schmitten.at MMag. Günther Aigner von der Platform www.zukunft-winter.at | @ privat Dipl.-Forstw. Christian König, Wetter- und Klimaberater | @ privat