An Bord: Im Gespräch mit Kapitän Toni

· Schmitten Allgemein

Volle Kraft voraus heißt es bei den Rundfahrten am Zeller See: Die Schifffahrtsflotte der Schmittenhöhe dreht hier täglich ihre Runden – und das in traumhaftem Ambiente mit grandiosen Ausblicken. Wir haben mit Kapitän Toni gesprochen, der der Schifffahrt schon seit rund drei Jahrzehnten treu ist.

Im gemeinsamen Gespräch erzählt er uns, wie er zur Schifffahrt gestoßen ist und wie er und seine Kapitänskollegen in herausfordernden Situationen reagieren. Außerdem verrät er, auf welchem Schiff der Schmitten-Flotte er am liebsten unterwegs ist.

Wie lange bist du schon Schiffskapitän und wie bist du zu dem Beruf gekommen?

Ich bin schon seit mehr als 30 Jahren auf Schiffen unterwegs. Der damalige Seereferent der Stadtgemeinde Zell am See, Leo Winter, hat mich zur Schifffahrt gebracht. Er sagte kurzerhand zu mir: „So, ich brauch jetzt jemanden und das bist du!“ Ich habe nicht lange nachgedacht und meinte nur: „Klar, okay!“

Schon nach einem Monat habe ich dann das Kapitänspatent gemacht und seitdem bin ich der Schifffahrt auch treu geblieben. Mit der Übernahme der Schifffahrt am Zeller See durch die Schmittenhöhebahn AG im Jahr 2001 bin ich zur Schmitten gekommen. 2005 wurde dann die MS Schmittenhöhe geordert. Ganz spannend zu wissen ist, dass der Fahrgastbetrieb am Zeller See bereits im Jahr 1870 startete. Damals hat die Gemeinde den See und gleichzeitig die ersten Schiffe gekauft.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Meine erste Aufgabe frühmorgens besteht darin zu schauen, ob alle Mannschaften vor Ort sind und ob die Schiffe auch entsprechend fahrbereit sind. Dazu werden zum Beispiel Funktionsproben an den jeweiligen Schiffen vorgenommen. Danach geht’s auch schon aufs Wasser. Alle relevanten Details den anstehenden Tag betreffend werden jeweils am Morgen im Beisein des Teams besprochen. Mir ist wichtig, dass ich über alles informiert bin: Dazu zählen der Zustand der Schiffe und die Frage, wie es meinen Mitarbeitern geht – das ist vor allem jetzt, in Zeiten von Corona, besonders wichtig.

Ich selbst bin hauptsächlich im normalen Rundfahrtsbetrieb anzutreffen und fahre mit dem Schiff Kaiserin Elisabeth. Am Abend, so zwischen 17:00 und 18:30 Uhr, wenn alle Schiffe zurückkommen, treffen wir uns wieder und machen eine Abschlussbesprechung. Hin und wieder kommen auch Sonderfahrten am Abend dazu. Um die Fahrzeiten an solch langen Tagen nicht zu überschreiten, werden die Mannschaften für den Abendbetrieb nochmals gewechselt. Die Mitarbeiter für die Nachtfahrten starten ihre Schicht um 18:30 Uhr. Aktuell sind wir insgesamt sechs Kapitäne.

Wie viele Stunden verbringst du pro Sommer am Steuer?

Das kann ich schnell beantworten: mehr als daheim. (Er lacht)
 

Zur Schmitten-Flotte zählen die MS Schmittenhöhe, die Kaiserin Elisabeth, die MS Großglockner und das Nostalgieschiff Libelle – hast du ein Lieblingsschiff?

Ich mag eigentlich alle Schiffe gleich gern. Jedes ist für sich eine Besonderheit. Aber wenn du mich nach meinem absoluten Lieblingsschiff fragst, dann ist das die Kaiserin Elisabeth. Wir haben sie selbst bei uns in Zell am See in ihren aktuellen Zustand gebracht.

Das Schiff hat noch ein Steuerrad und einen Gasschieber, das mögen alte Männer wie ich gerne. (Er lacht) Und auch die Einrichtung, die Größe, der Schnitt und das ganze Erscheinungsbild machen das Schiff zu einem der schönsten überhaupt.

Du fährst also nicht hauptsächlich mit der MS Schmittenhöhe?

Mit ihr bin ich viele Jahre gefahren. Jetzt ist das nur mehr selten der Fall, denn jetzt sind meine jungen Kapitäne an der Reihe. Die MS Schmittenhöhe wird die Jungen sicher noch 30 bis 40 Jahre begleiten, denke ich, und sie sollen Erfahrungen sammeln. Das ist für mich wirklich sehr wichtig. Je mehr Seemeilen die Kapitäne damit sammeln, desto besser verstehen sie die Technik dahinter.

Grundsätzlich stehe ich immer zur Verfügung, wenn es Probleme gibt und helfe natürlich, wo ich kann. Wie man sich wahrscheinlich denken kann, kann so ein Schiff nämlich nicht mal eben schnell in die Werkstatt gebracht und repariert werden. Deshalb ist es von Vorteil, wenn wir genau wissen, wo wir ansetzen müssen und wie wir manche Dinge gegebenenfalls auch gleich selbst reparieren können.

Mit jeder Fahrt und mit jeder Erfahrung festigt sich das Verständnis für ein Schiff, und das ist vor allem für die Zukunft wichtig – damit alles in Betrieb bleibt und wirtschaftlich ist.

Was macht die Schifffahrten am Zeller See deiner Meinung nach so besonders?

Zum einen ist es die Umgebung, in der wir fahren – für mich eine der schönsten der Welt. Wir bewegen uns auf einem Wasser, dessen Qualität besser ist als das Trinkwasser mancher Menschen.

Zum anderen spielt bei der Schifffahrt auch die gesamte Atmosphäre eine wichtige Rolle. Schiff und Umgebung müssen einfach zusammenpassen und das tun sie bei uns definitiv. Somit kann ich allen Gästen eine einstündige Panorama-Rundfahrt bei uns am Zeller See nur ans Herz legen.

Welche Herausforderungen bringt dein Job als Schiffskapitän mit sich?

Die allergrößte Herausforderung ist nicht nur meine persönliche, sondern die eines jeden Kapitäns: das Schiff, die Besatzung und die Fahrgäste wieder sicher und gesund zurückzubringen. Und natürlich auch, dass die Leute eine schöne Zeit bei uns am Schiff haben.

Es muss eine Stimmung herrschen, die der Umgebung und dem Schiff entspricht. Das heißt: Während der Fahrt darf nichts passieren, was die Laune der Passagiere verdirbt. Während der Rundfahrt sollen die Gäste all ihre Sorgen vergessen und sich an der schönen Atmosphäre und der traumhaften Umgebung erfreuen. Vor allem unser Sonnendeck ist wirklich einer der schönsten Plätze am Wasser.

Gibt es einen Notfallplan, falls es unerwartet zu einem Wetterumschwung kommt?

Ja, den gibt es natürlich! All unsere Kapitäne sind auf die unterschiedlichsten Notfallsituationen optimal vorbereitet und werden dafür auch geschult. Das passiert beispielsweise in der Ausbildung während spezieller Schulungen und Trainings. Für einen Wetterumschwung gibt es keine allgemeinen Regeln, an die man sich halten kann oder muss. Jeder Tag ist anders und einmal kommt der Wind von der einen und dann von der anderen Seite.

Wichtig ist, dass jeder am jeweiligen Schiff weiß, wie er sich verhalten muss – also wie er mit Wind umgeht und ob er anlegt oder das Unwetter am See abwartet. Hier greift jeder Kapitän auf seine eigenen Erfahrungen zurück, und ich unterstütze auch, wann immer ich gebraucht werde.

Gab es schon einmal einen kritischen Moment, in dem ihr schnell sein musstet?

Wir haben schon schwere Gewitter, Stürme und heftige Winde miterlebt. Darunter natürlich auch solche, bei denen wir mit dem Schiff am Wasser waren. Man muss immer abwägen, ob es besser ist, auf dem Wasser zu bleiben oder doch das Land anzusteuern. 
Meistens ist die Entscheidung, auf dem See zu bleiben, die bessere. Gegen Wellengang kann man mit dem Schiff Widerstand leisten. Wenn man aber gegen den Steg gedrückt wird, hat man wenig Möglichkeiten, etwas dagegen zu unternehmen.

Man sieht: Kapitän Toni und seine Crew sind in jeder Situation optimal vorbereitet. Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Außer natürlich: Leinen los, und bis bald auf der Schmittenhöhe!

Schmitten-Tipp: Der Zeller See mit seinem glasklaren Wasser beeindruckt auch aus der Vogelperspektive. Bei den Wandertouren-Tipps unserer Locals ist der einmalige Seeblick inklusive.

Bis bald auf der Schmittenhöhe!

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